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Bei meinem Beitrag gestern bin ich in eine Richtung gegangen, die ich eigentlich ursprünglich nicht vorhatte. Nun also schnell nachgeliefert, worauf ich gestern eigentlich hinauswollte!

Schön, wenn Menschen Energie für ihr schweres Leben aus dem Glauben schöpfen, es gäbe einen gerechten Gott, der ihre guten Taten auf Erden beobachtet und es ihnen im Himmel tausendfach vergelten möge. So gesehen ist der Glaube eine Art praktische Lebenshilfe, um auch schwierige Zeiten zu überstehen.

Aber letztendlich bleibt diese Kraftquelle ein bloßer Glaube und ist in eine Reihe zu stellen mit dem Glauben, dass zum Beispiel andere Menschen meine Gedanken lesen können oder dass es in unserem Sonnensystem noch andere Lebewesen gibt als uns oder dass sich mein Leben grundlegend ändern wird, wenn ich nur diesen oder jenen Heilstein stets bei mir trage.

Beweisen kann man letztlich keine dieser Theorien und nur der Glaube daran versetzt Berge, wie es so schön heißt. Aber ist es nicht ganz schön armselig, seine Daseinsberechtigung und seinen Lebensinhalt allein daraus zu schöpfen, dass es da möglicherweise noch ein Wesen gibt, dem wir Tribut zollen sollten? Wo sind die anderen Qualitäten und Fähigkeiten, die uns ausmachen? Wo ist unser Selbstbewusstsein angesichts der Dinge, die wir in unserem Leben schon geschafft haben. Brauchen wir wirklich immer einen Gott oder den Glauben, um ruhigen Gewissens existieren zu können?

Manche Menschen laufen fröhlich durch den Tag, weil sie die Gewissheit haben, dass Gott sie liebt. Sie beziehen so viel an Kraft und Energie aus diesem Glauben und können nicht nachvollziehen, dass es Menschen gibt, denen schlichtweg egal ist, ob es überhaupt einen Gott gibt oder ob irgendein Gott da draußen sie liebt. Es sprengt vollkommen ihre Vorstellungskraft, kreist ihre zentrale Frage nach dem Sein doch letztlich immer um die Auffassung, Gott habe diese Welt erschaffen und wir sind ihm zu Dank verpflichtet und müssen ihn ehren.

Das kann ganz schön nerven, denn wer die Existenz Gottes auch nur leise anzweifelt, wird von diesen Gläubigen entweder müde belächelt (… der wird auch noch draufkommen, was diese Welt im Kern zusammen hält …) oder mit Argumenten und Pseudo-Argumenten zugeschüttet, die jeden Einwand obsolet machen bzw. hat man oft nicht die Geduld, die Spinnweben dieses Aber-Glaubens Stück für Stück zu zerreißen. Resignierend stelle ich fest: Glaubt ihr nur, so lange ihr wollt – denn wie heißt es so schön: Wer’s glaubt, wird selig?

 

November 2009
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